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Wie lange ist "für immer"?

Wir kennen es aus Märchen, Filmen, Büchern: Jemand trifft diese eine Person, über die er oder sie sagen kann, dass es "die Liebe des Lebens" ist. Also der eine Mensch, bei dem man sofort weiß, dass es für immer ist. Man spürt es, weil es sich anders anfühlt als die Male davor. Weil man plötzlich eine stille Gewissheit in sich trägt, weil es keine Zweifel gibt, weil keine Hindernisse so groß sein können, als das man sie zusammen nicht überwinden könnte. Und dann sagt man: Es ist für immer! Aber wie lange ist für immer? Und ist das überhaupt ein realistisches Szenario, dieses für immer? Also bis ans Ende eines oder zweier Leben?


Für immer – vielleicht immer wieder?


Die Frage ist, ob das gemeinsame für immer wirklich so lange sein muss, bis das der Tod dem ganzen ein Ende bereitet. Vielleicht ist das persönliche für immer zweier Menschen auch zeitlich begrenzt. Vielleicht gibt es sowas wie ein für immer mit Ablaufdatum. Vielleicht können wir immer und immer wieder jemanden für ein gemeinsames für immer finden. Denn misst man am Ende die Qualität einer Beziehung an ihrer Länge oder an ihrer Tiefe? Im allgemeinen Ansehen in ihrer Länge. Da gibt es Lob und Zuspruch, wenn man sagen kann, dass man schon so und so viele Jahre zusammen ist. Und ja, das ist auch wirklich ein Kompliment wert. Denn gibt es etwas herausfordernderes und gleichzeitig schöneres, als es zu schaffen, sich immer und stetig zusammen weiter zu entwickeln und sich immer wieder ehrlich für den anderen, die andere zu entscheiden? Wahrscheinlich nicht. Trotzdem werden Beziehungen oft oberflächlich an ihrer Länge gemessen. Es wird nicht dahinter geschaut, wie qualitativ die letzten 10,20 oder 30 Jahre tatsächlich gewesen sind. Allein durch den Faktor Zeit, und dass diese beiden Menschen immer noch zusammen sind, muss es ja klar sein, dass es ein gutes Miteinander ist. Aber dem ist nicht automatisch so. Viel aufrichtiger und ehrlicher wäre es doch, eine Beziehung mutig zu beenden, wenn man wirklich alles versucht hat aber das gemeinsame Miteinander einfach keine Zukunft mehr hat. Dann können aus zwei unglücklichen Menschen unter Umständen vier glückliche werden. Und wenn eine Beziehung dann vorbei ist, dann hatte man es ja trotzdem – das persönliche für immer. Und dann kann man es wieder mit jemand anderem finden und dann vielleicht wieder mit jemand anderem. Denn das wirkliche für immer, das haben wir nur mit uns selbst. Wir sind die einzige Person, mit der wir ganz sicher unser ganzes Leben verbringen werden. Alle anderen Menschen sind nur Wegabschnittsgefährten, die uns mal länger, mal kürzer durchs Leben begleiten. Dabei gibt es Menschen, die uns vielleicht nur ein kurzes Stück begleiten, die aber einen so großen Einfluss auf unser Leben haben, dass nachdem wir sie kennengelernt haben (fast) nichts mehr ist wie davor. Denn man kann auch tief und aus vollstem Herzen lieben und das nur für eine kurze Zeit.

Der Mut, in Verbindung zu gehen

Denn was am Ende zählt ist nicht, wie lange man es miteinander "geschafft" hat. Was am Ende zählt ist, was man von- und miteinander gelernt hat. Wie man gemeinsam und einzeln gewachsen ist und was das Miteinander in einem bewegt hat. Das kann ein ganzes, gemeinsames Leben lang dauern. Es kann aber auch nach ein paar Jahren schon wieder vorbei sein. Soll das jetzt heißen, dass es sich nicht lohnt, nach einem für immer zu streben, das ein ganzes Leben lang andauert? Keines Wegs! Denn grundsätzlich sollte jede Beziehung mit der Hingabe und dem Herz eingegangen werden, dass man es für immer, immer miteinander schaffen will. Also wirklich so lange, bis der Tod das Ganze beendet. Wenn man dieses Gefühl nicht füreinander aufbringen kann macht es doch gar keinen Sinn überhaupt zu starten, oder? Dieser Wille ist es auch, der einen gemeinsam schlechte und schwierige Zeiten überstehen lässt. Der macht, dass wir nicht bei jeder Kleinigkeit das Handtuch werfen und uns nach jemand anderem umschauen. Aber es kann eben auch sein, dass man es irgendwann einfach nicht mehr fühlen kann das gemeinsame für immer. Und dann sollte es immer in Ordnung sein, das für immer zu beenden. Denn dafür ist das Leben am Ende zu kurz. Es ist zu kurz, als dass man es mit etwas verbringen sollte, das nicht richtig ist. Das das Herz nicht bewegt und das einen emotional berührt.





Und trotzdem ist es wunderschön, wenn es klappt: Wenn man als Paar sein ganzes Leben miteinander teilt, weil man immer an sich und der Beziehung gearbeitet hat. Weil man auch mal für den anderen zurückgesteckt hat, weil man dem anderen seinen Mut geliehen hat, wenn er oder sie schwach war und andersrum. Wenn man sich einzeln immer weiterentwickelt und das auch zusammen geschafft hat. Wenn man immer offen und ehrlich über alles gesprochen hat und Höhen und Tiefen gemeistert hat und man dann auf ein bewegtes, gemeinsames Leben zurückblicken kann.


Liebe kann all das sein: Der eine Mensch, mit dem es auf Anhieb so passt, dass wir dann unser ganzes Leben zusammen verbringen. Liebe kann auch die kürzeren und ganz kurzen Episoden mit jemandem sein. Denn am Ende lernen wir immer etwas über uns, über das Leben und übereinander, wenn wir mit anderen in Verbindung gehen. Wenn wir echte, tiefe Bindungen mit jemandem aufbauen, uns öffnen und zulassen, dass sie etwas in uns bewegen. Ja, es gibt die Liebe für immer. Es gibt aber auch die Liebe für immer, immer und immer wieder.


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